TÜV-Report 2020: schon 14.000 Autos aus dem Verkehr gezogen

Am Porsche 911 kommt nur einer vorbei: Der Sportwagen aus Stuttgart schneidet beim TÜV-Report in allen Altersklassen am besten ab – mit einer Ausnahme. Bei den Autos, die nach zwei oder drei Jahren erstmals zur Hauptuntersuchung vorfahren, weist der Mercedes-Benz GLC mit 1,7 Prozent die geringsten „erheblichen Mängel“ auf. Mit jeweils 2,2 Prozent platzieren sich dahinter gleichauf auf Rang 2 der Opel Insignia, die B-Klasse von Mercedes und der Porsche.

„Erfreulich ist, dass es mit dem Opel Insignia das Mittelklassemodell eines Volumenherstellers aufs Treppchen geschafft hat“, sagte Dr. Joachim Bühler, Geschäftsführer des TÜV-Verbands (VdTÜV), der den TÜV-Report heute vorstellte. Denn Kilometerleistung oder Nutzungsverhalten gehen in die Bewertung nicht mit ein, so dass ein etwas weniger häufig genutzter Sportwagen gegenüber einem typischen und täglich genutzten Familienauto möglicherweise per se besser abschneidet. „Wir prüfen die Autos so, wie sie auf der Straße unterwegs sind“, stellt Bühler hierzu fest. Gut schnitt beispielsweise auch der Hyundai i30 ab, der bei den jüngeren Fahrzeugen Platz 6 belegt.

„Die technische Sicherheit der Fahrzeuge auf Deutschlands Straßen hat sich leicht verbessert“, bilanzierte Dr. Joachim Bühler. Vor allem ältere Autos zwischen acht und elf Jahren schnitten besser ab als noch vor ein paar Jahren. Dies stehe für qualitativ immer besser werdende Modelle. So sank beispielsweise der Anteil der acht bis neun Jahre alten Pkw mit erheblichen Mängeln um 2,6 Prozentpunkte auf 19,9 Prozent und bei den zehn- bis elfjährigen Fahrzeugen um 3,4 Punkte auf 24,8 Prozent. Das Durchschnittsalter der von den TÜV-Organisationen untersuchten Fahrzeuge legte leicht von 9,5 auf 9,6 Jahre zu. Vor 20 Jahren betrug es 6,9 Jahre.

Dennoch: Knapp jedes fünfte Auto (19,9 Prozent) hat bei der Hauptuntersuchung (HU) aufgrund von „erheblichen Mängeln“ keine Plakette von den TÜV-Prüfstellen erhalten. Im vergangenen Jahr waren es 21,5 Prozent gewesen. Bei weiteren 9,6 Prozent der Fahrzeuge wurden „geringe Mängel“ festgestellt, die nicht zu einer Wiedervorführung verpflichten (minus 0,1 Punkt). Der Anteil der Pkw „ohne Mängel“ ist um 1,6 Punkte auf 70,4 Prozent gestiegen. „Trotz des positiven Trends ist jedes fünfte Fahrzeug mit ernsthaften Mängeln unterwegs, die eine Gefahr für die Verkehrssicherheit darstellen“, kommentierte Bühler die Ergebnisse. Dazu kamen rund 14.000 Fahrzeuge (0,05 Prozent), die bei den Hauptuntersuchungen als „verkehrsunsicher“ eingestuft und sofort stillgelegt wurden.

In den fünf untersuchten Altersklassen dominieren deutsche Hersteller die Top-Ten, allen voran die Premiummarken Mercedes, Porsche und Audi. Aber auch ein Verlierer aus deutschen Landen findet sich in der Reihe der am schlechtesten abgeschnitten Fahrzeuge: Der VW Sharan weist unter den vier bis fünf Jahre alten Autos am häufigsten Mängel auf.

Ausgwertet hat der TÜV-Dachverband auch die standfestesten Autos bei der ersten HU (2–3 Jahre) in einzelnen Fahrzeugklassen. Die Sieger heißen hier Opel Adam (Kleinstwagen), Audi A1 (Kleinwagen), Hyundai i30 (Kompaktklasse) und Opel Insignia (Mittelklasse) sowie Mercedes-Benz B-Klasse (Vans) und der GLC als Gesamtsieger bei den SUVs. Schlusslicher in diesem Ranking sind der Panda und der Punto von Fiat, der Dacia Logan und der Ford Mondeo sowie mit Lodgy und Duster erneut zwei Modelle von Dacia. Die höchste Durchfallquote aller untersuchten Fahrzeuge weist der Renault Kangoo bei den zehn- bis elfjährigen Autos mit 37,5 Prozent auf.

Für den TÜV-Report 2021 sind rund 8,8 Millionen Hauptuntersuchungen von Pkw ausgewertet worden, die von Juli 2019 bis Juni 2020 vorgeführt wurden. Basis der Rankings in fünf Altersklassen sind 18 ausgewählte, besonders relevante Mängel. Untersucht wurden in diesem Jahr 228 verschiedene Fahrzeugmodelle. Zu den häufigsten Beanstandungen gehören austretendes Öl an Motor oder Getriebe, die Beleuchtung, die Achsaufhängung und die Bremsen.

Angesichts des Wandels in der Automobilwelt fordert der VdTÜV eine entsprechende Anpassung und Ausweitung der Prüfpunkte. Dazu zählt Geschäftsführer Jochaim Bühler beispielsweise die Funktionsprüfung digital gesteuerter Assistenzsysteme, die Cybersicherheit oder bei Elektroautos den Check des allgemeinen Batteriezustands und der Ladebuchsen und -kabel. Aber auch Nachbesserungen bei der klassischen Abgasuntersuchung wären aus Sicht des TÜVs wünschenswert, um Schäden und Manipulationen besser zu erkennen. Sinnvoll seien laut Bühler auch die Messung von Stickoxiden bei Dieselfahrzeugen und der Partikel auch bei Benzinern. Dass strengere Vorgaben bei der AU wirksam seien, zeige die Wiedereinführung der Endrohrmessung als Folge des Abgasskandals im Jahr 2018. Die Zahl der Beanstandungen ist seitdem nach Angaben des VdTÜV um rund ein Fünftel gestiegen.